© Helmuth Rier / IDM Südtirol

Auf dem Pilgerweg durch Südtirol

Bild von Britta Jagusch

Britta Jagusch

29. März 2024

Nicht erst seit dem Buch und neuem Kinofilm „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling erfreut sich Pilgern immer größerer Beliebtheit. Die meisten Menschen denken dabei vor allem an Santiago de Compostela, dass auch Südtirol dem Pilger einiges zu bieten hat, ist weniger bekannt. Dabei liegt diese Region Italiens an der Schnittstelle zweier großer Pilgerrouten von Norden nach Süden und von Osten nach Westen.

Auf über 130 Kilometern und fast 3000 Höhenmetern erstreckt sich der Jakobsweg durch Südtirol. „Bei uns finden sich zahlreiche Belege, die die Verehrung des Heiligen Jakobus als Patron der Pilger und Reisenden bezeugen“, betont Peter Sader vom Bildungshaus Kloster Neustift. Allein 25 Jakobskirchen und -kapellen sowie zahlreiche Hospize und Klöster wurden meist an den Handelswegen errichtet. Davon können sich die Reisende heute noch überzeugen und viele der Pilgerstätten besichtigen.

Pilgern – allein oder in der Gruppe
„Das Schöne am Jakobsweg in Südtirol ist zudem, dass die Tour gut und leicht zu organisieren ist. Wer möchte, kann allein gehen oder sich einer Gruppe anschließen.“ Peter Sader ist Fachmann für Pilgerreisen in der Region und betreut die Projektegruppe „Jakobsweg Südtirol“. Ausgebildete und zertifizierte Pilgerbegleiter bieten hier die unterschiedlichsten Pilgerreisen an. „Wir haben eine sehr gute Infrastruktur“, freut sich Sader. Doch auch wenn es auf dem Jakobsweg zahlreiche Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten gibt, sei es dennoch sinnvoll, rechtzeitig zu buchen und sich einen Pilgerpass zu besorgen – zum Beispiel im Bildungshaus Kloster Neustift.

Pilgertour in sechs Etappen
Die Pilgertour auf dem Jakobsweg in Südtirol ist in sechs Etappen aufgeteilt, die zwischen 16 und 28 km lang sind und am Brenner enden. „Wir empfehlen jedoch, den Jakobsweg weiter nach Innsbruck zu nehmen“, sagt Sader. „Die Route wird dann mit dem Besuch des Doms zu St. Jakob, der ein bedeutendes Pilgerzentrum ist, abgeschlossen.“

Ausgangspunkt der Pilgerwanderung ist Winnebach im Pustertal. Besonders sehenswert ist die Stiftskirche Innichen; diese gilt als der schönste Sakralbau romanischen Stils im Ostalpenraum. Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert dort erbaut, wo bereits im 8. Jahrhundert das Benediktinerkloster zum Heiligen Candidus errichtet worden war.

Vorbei an der Pfarrkirche von Oberolang, in der das gotisches Christophorus-Fresko besonders sehenswert ist, geht es über einen wunderschönen Wanderweg nach Bruneck, dem Geburtsort des großen Tiroler Malers und Bildhauers Michael Pacher, der zu den Meistern der österreichischen Spätgotik zählt. Bruneck – gerne als Herz des Pustertals bezeichnet – wurde 2009 zur lebenswertesten Kleinstadt Italiens gekürt.

Stiftskirche Innichen / © Tourismusverein Innichen

Durchs Pustertal zur Bischofsstadt Brixen
Weiter geht’s auf rund 25 Kilometern nach Niedervintl durchs schöne Pustertal, vorbei am ehemaligen Pilgerhospiz, das im 12. Jahrhundert von Benediktinerinnen des Klosters Sonnenburg für Reisende und Pilger gebaut wurde, bis zur Jakobskirche von St. Sigmund, die den ältesten zur Gänze erhaltenen gotischen Flügelaltar Tirols zeigt.

Die vierte Etappe führt auf abwechslungsreichen Wegen nach Franzensfeste, entlang der Bischofsstadt Brixen sowie zum Kloster Neustift; diese sehr gut erhaltene Klosteranlage ist die größte in ganz Tirol. Das Augustiner Chorherrenstift Neustift wurde im Jahre 1142 vom Brixner Bischof, dem seligen Hartmann, an der Schnittstelle zweier wichtiger Verkehrs- und Pilgerwege gegründet. Das dortige Hospiz bot damals schon vielen Reisenden und Pilgern Unterkunft und Verpflegung, vor allem aber geistliche Stärkung.

Kreuzgang Brixner Dom / © Clemens Zahn / IDM Südtirol

 

Die Legende der Maria Trens
Die fünfte Etappe zieht sich durch schöne Flusslandschaften; der Eisack schlängelt sich durchs Tal und begleitet die Pilger ein Stück auf ihrem Weg. „Besuchen Sie auf jeden Fall die Wallfahrtskirche Maria Trens, sie gehört zu einem der bedeutendsten Gebets- und Wallfahrtsorte in ganz Südtirol“, empfiehlt Peter Sader. Der Legende nach fand ein Bauer unter Schutt einst eine unversehrte Marienstatue, die er mit nach Hause nahm. Am nächsten Morgen aber war die Statue verschwunden – und wurde schließlich in der Dorfkapelle neben der Kirche gefunden. Durch dieses Marienwunder angelockt, pilgerten damals wie heute die Gläubigen zur „Trenser Mutter“; jedes Jahr am 1. Mai ziehen hunderte Pilger singend und betend zur Kirche.

Prozessionen zu Ehren Heiliger werden auch am Brenner, dem Abschluss des Südtiroler Jakobsweg, gehalten. Hier steht die spätgotische Pfarrkirche St. Valentin, die durch Herzog Friedrich IV. im Jahr 1449 errichtet wurde und dem Wegepatron Valentin – auch Wanderbischof Valentin von Rätien – geweiht ist. Er war einer der ersten Bischöfe von Passau, lebte später als Wandermissionar und starb als Einsiedler in Meran.

Wen es nach Innsbruck zieht, muss noch mal zwei bis drei Tage „dranhängen“ und rund 50 Kilometer weiterpilgern. Schon vor Jahrhunderten war Innsbruck das Zentrum der Jakobspilger. Auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela durchquerten im Mittelalter vermutlich Zehntausende auch das Land Tirol auf ihrem Weg nach Westen – dazu kamen schon damals wie auch heute die Pilger aus Südtirol.