Ein Pinsel steckt hinterm Ohr, der andere liegt in der rechten Hand. In der linken hält Luca Campos ein Glas mit blauer Farbe. »Ich zeichne und male, seitdem ich auf der Welt bin«, sagt der 19-Jährige. Er tunkt den Pinsel in die Farbe und setzt an. Luca Campos malt einen Jungen an die Wand, der ein Buch in der Hand hält: »Das Haus LEO« steht darauf. »Das Leben ohne LEO wäre einsam«, sagt er. »Hier weiß man einfach, da ist jemand für einen da.«
Das LEO ist das Caritas-Kinderhospiz-Zentrum in Berlin-Charlottenburg, eine Einrichtung, in der schwer- und schwerstkranke Kinder und ihre Familien unterstützt werden. »LEO« bedeutet im Lateinischen »Löwe« – ein solcher ist im »O« des LEO-Logos dargestellt. »Der Löwe ist ein Symbol für Kraft und Stärke«, sagt Beate Danlowski, die Leiterin des Hauses LEO. Zwar gehe es hier viel um Krankheit, Tod und Trauerarbeit, sagt Beate Danlowski. »Aber gerade hier erlebe ich oft Kinder, die viel Kraft haben und auch in ihrer Krankheit unheimlich stark sind und ihre Stärke auch anderen geben können.« Ein Beispiel ist Luca Campos, der schwerkrank im Rollstuhl sitzt. Mit sieben Jahren wurde bei ihm MDS, eine Form von Blutkrebs, diagnostiziert. Luca Campos erhielt noch als Kind eine Stammzelltransplantation – eine Chance auf Heilung. Doch dann kam nach zwei Jahren eine weitere Komplikation hinzu, die Stammzellen begannen den Körper von ihm anzugreifen. Spender-gegen-Empfänger-Reaktion wird diese Erkrankung genannt und verursacht in seinem Körper immer wieder auch Tumore. »Alles im Alltag bedeutet körperliche Anstrengung«, sagt der 19-Jährige. Er zeigt, dass er seine beiden Beine zwar bewegen, aber nicht strecken kann. Die Gelenke sind im Zuge der Krankheit versteift.
